Sie stellen die Rücksäcke ab. Vor ihnen erstreckt sich der See – klar, liegt er da, Bäume und Sonne spiegeln sich in ihm. Der Strand besteht aus Kieselsteinen, manche kleiner, andere größer. Im Rücken das Rauschen der Bäume. Kerstin kramt eine Decke aus dem Rucksack, breitet diese auf dem steinigen Boden aus, setzt sich und beginnt, sich ihrer Schuhe zu entledigen. Als sie gerade die Socken abstreifen will, lässt sich Anna neben sie plumpsen: „Was für eine Wanderung! Meine Füße freuen sich jetzt auch auf frische Luft und kühles Wasser.“ Sie grinst Kerstin an. Aus der Ferne hört man einen Specht seine Arbeit verrichten. „Komm, weit und breit sind wir keiner Person begegnet… Lass uns einfach ins Wasser gehen. Abkühlen. Ich zerlaufe sonst noch vor Hitze und dann wäre ich eh Eins mit dem Wasser.“ Sie lacht laut auf.
Kerstin, die inzwischen auch ihr T-Shirt ausgezogen und die Hosenbeine maximal gekürzt hat – ein Hoch auf diese multifunktionalen Wanderhosen – schaut sie von der Seite an. Denkt nach. Sagt dann: „Beim letzten Mal wurde es echt teuer! 150 Euro durften wir zahlen!“ Ein leichter Wind kommt auf, das Rauschen der Bäume wird lauter und das Wasser des Sees umspült die Kieselsteine vor ihnen. Irgendwo scheint eine Entenfamilie aufgeschreckt worden zu sein. Lautes Gequacke. Anna steht auf, geht ungelenk über die Steine zum Wasser. „Meine Füße dürfen aber schon rein, ja?“ Kerstin zuckt mit den Achseln. „Und wenn ich noch ein bisschen weiter reingehe? So, bis zum Bauchnabel? Schwimmen ist das nicht!“ „Anna, hör auf mit dem Mist! Wenn ich wieder erwischt werde, wird es noch teurer! Und die Kohle hab ich einfach nicht!“ Aber Anna läuft weiter ins Wasser, die Hände in die Luft gewissen. Das Wasser schwappt am Steinufer auf und ab. „Zum Schwimmen benötigt man seine Arme! Aber die hab ich nicht im Wasser! Also können sie mir nichts anhaben! Ich schwimme nicht! Und auf den Schildern…“ „Das ist doch Bullshit, was du da jetzt argumentierst, Frau Jurastudentin in spe!“ Echauffiert sich Kerstin. „Hab dich nicht so, komm rein!“ Annas Körper ist inzwischen bis zur Brust vom Wasser bedeckt.


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