
Es knallt. Die Tür fällt in den Rahmen. Nimmt die Wucht des Wurfes mit, springt wieder auf. Keine Grenze, kein Ende des Gesprächs. Aus der Tiefe des Raums hört sie noch: „Es tut mir leid! Ich wollte dir nicht wehtun.”
Sie tritt das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Ihre Hände das Lenkrad fest umschlungen.
🎶Just give me one fine day of plain sailing weather🎶
„And I can f u c k up anything, ANYTHING!“ schreit sie mit. Ihre Wangen werden feucht. Ihr Blick starr auf die vor ihr liegende Straße gerichtet. Song zuende. Repeat. Immer und immer wieder.
Die Tanklampe leuchtet auf. 5km bis zur nächsten Autobahnraststätte. Das Schild mit dieser Ankündigung kommt wie aus dem Nichts genau zum richtigen Zeitpunkt. Sie weiß nicht, wo sie eigentlich ist. Als sie auf die Autobahn gefahren ist, war der Tank voll und sie ist einfach nur gefahren. Weiter und immer weiter.
Aus dem Kofferraum des Kombis taucht ein Hundekopf auf. Schaut nach rechts und nach links. Orientiert sich. 500m bis zur Raststätte. Sie setzt den Blinker und geht vom Gas. ‚Hoffentlich ist hier eine Wiese oder sonstiges Grün. Das Hundekind sitzt jetzt schon ewig dahinten und hat keinen Plan, was eigentlich mit ihr geschieht.‘ Es rumpelt im Kofferraum. Sie blickt in den Rückspiegel. Der Hundekopf ist nicht mehr zu sehen. Abgetaucht.
Im Scheinwerferlicht sieht sie Grün am Rand der Raststätte. Sie dreht die Musik leiser. Parkt ein.
🎶It was a wonderful life when we were together🎶
klingt es kaum vernehmlich aus dem Radio. Als sie den Kofferraum öffnet kommt ihr ein Hundekopf entgegen. Sie beugt sich ihm entgegen und umarmt den Hund. Erst spürt sie die nasse Nase, dann, wie ihr komplettes Gesicht abgeschleckt wird. Von den Rückständen der Tränen gesäubert. Verarztet.
Sie stehen auf dem Grünstreifen. Sie und das Hundekind. Stehen einfach nur da. Starren in die Dunkelheit. Irgendwo im Nirgendwo. Energielos. Allein. Heimatlos. Leer.
Dann, nach gefühlten Ewigkeiten – oder einer Sekunde – beendet der Hund dieses Stilleben. Sie bemerkt, wie die Leine unter Spannung gerät. Das Hundekind die Schnauze in die Luft streckt und die Gerüche aus den unterschiedlichen Richtungen aufnimmt. Sich orientiert. Einen Weg sucht. Und sie? Sie folgt einfach, ohne nachzudenken oder gar aus eigener Kraft aktiv zu werden. Sie lässt es zu, ohne überhaupt eine Entscheidung getroffen zu haben. Die Energie besitzt sie gerade nicht. Und es fühlt sich nicht so an, als würde sich dies jemals wieder ändern. Niemals wieder…

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